Ähnlich wie in Shanghai fängt in Japan die Weihnachtszeit direkt nach Halloween an. Im Gegensatz zu Shanghai wird jedoch die Kürbis-Deko rückstandslos beseitigt, bevor bunte Weihnachtsmänner, Sterne und Lichterzauber Einzug halten. An unserer U-Bahnstation steht ein großer, sogar geschmackvoll geschmückter Weihnachtsbaum in der Mitte des Platzes. Die Kugeln könnten durchaus Gefallen bei dem einen oder anderen finden, mir fällt aber trotzdem bis Weihnachten keine Dezimierung der Deko auf.
In den Shopping-Malls und Kaufhäusern gibt es Weihnachtsliedergedudel und Deko-Ramsch, wie überall. Ganz besonders schön ist hier aber die Mode-Abteilung für den Hund. Vom Rentiergeweih bis zum Komplett-Weihnachtsmann-Dress beommt Frauchen oder Herrchen hier alles für den Wuffi. Auf sogenannten Weihnachtsmärkten gibt es Wurst und Pommes und großen Lichterglanz. Überhaupt geht es in der Vorweihnachtszeit vorallem darum, romantische Stimmung zu vermitteln. Die Stadtteile überschlagen sich mit ihren spektakulären Illuminationen. Die Energiekrise ist weit weg. Im Scheine des Lichterzaubers finden sich verliebte Paare – oder es sind einfach Horden von Menschen unterwegs, die Geschenke suchen und Fotos für ihre Posts machen.
Weihnachten ist das Fest der Freunde und der Verliebten. An Heiligabend ist die Torte ganz wichtig, am besten Erdbeertorte. An den Bahnstationen gibt es lange Schlangen vor den scheinbar über Nacht entstandenen Konditorständen. Ich stelle mich auch an und bekomme sofort eine überdimensionierte Tortenkarte in die Hand gedrückt, die ich die 20 Minuten, die ich warte, durcharbeiten kann.
Mit unserer eigenen Hausdeko ist es so: einen Adventskranz kennt in Tokyo niemand. Ich bin da traditionell und habe gern einen echten Kranz auf der Mitte des Esstisches mit großen, roten Wachskerzen. In Shanghai gab es einen geschäftstüchtigen Blumenhändler, der zum Schul-Bazar Adventskränze anbot. Folglich zog jede Familie mit ihrem Kranz heim. Hier gibt es so etwas nicht. Sogar rote Kerzen sind schwierig. Dirk steuert einen kleinen Blumenladen an und zeigt der Verkäuferin ein paar Fotos von Adventskränzen auf dem Handy. Ein paar Tage später holt er einen gesteckten Kranz ab (wird wahrscheinlich unser teuerster Kranz – ever – bleiben).
Als wir im August Möbel von Expat-Familien zusammengekauft haben und von einer neben der Schlafcouch, dem Bücherregal auch einen zusammensteckbaren Plastik-Weihnachtsbaum angeboten bekommen haben, konnte ich nur lächeln, „Nein, sowas geht gar nicht für uns“. Bei Ikea gibt es wohl einen Samstag im Dezember, an dem es echte Weihnachtsbäume gibt, die weniger als 200 Eur kosten. Aber die Schlange ist lang und der Weg zu uns nach Hause ist weit, wir haben kein Auto….. Bäume im Blumenladen kosten ein Vermögen. Selbst Plastikbäume sind teuer. Wir fahren am 25. Dezember in den Skiurlaub. Ich lenke ein. Dirk schleppt einen Plastikbaum an, Nitori (das japanische Ikea machts möglich). Wir sind fertig mit unserem Repertoire an Weihnachtsliedern, als der Baum am 23.12. abends geschmückt ist. „Ganz gerade gewachsen, die Tanne, gut ausgesucht“, kommentiert Oma Gisela.
An Heiligabend gehen wir einkaufen, es gibt ein japanisches Menü, Miso Soup, Sashimi, Pickles, etc. Beim Ausgang im Supermarkt erhält jeder eine in Weihnachtspapier eingewickelte Rolle Klopapier. ….
Wir gehen zur Kirche. 20 Minuten vor Beginn sind wir da – nur leider in der falschen Kirche. Das Krippenspiel um 16 Uhr findet in der St. Michael’s Kirche statt. Also Taxi, ab in die richtige. In der St. Michaels Kirche, in der wir landen, wird japanisch gesungen…. wir haben Hunger. In Fest-Gaderobe sitzen wir im Irish Pub, trinken heiße Schokolade, essen Pommes und Nachos. Im Hintergrund plärren Weihnachtslieder und es läuft der Film „Charlie und die Schokoladenfarbrik“. Zum nächsten Gottesdienst um 17.30 Uhr schaffen wir es auch nicht pünktlich, da die Irish-Pub-Pause zu lang war – nicht unser Tag.
Zuhause gibt es erst einmal online Becherung mit Malte und Cora, dann Musik, Geschenke, japanisches Abendessen, Torte, dazu Telefonat mit den Duisburg-Reinharts, die gerade nach ein paar Skiabfahrten auf der anderen Seite der Erde ihre erste Pause auf der Hütte einlegen. Merry Christmas!





















Ihr Lieben.
Das klingt nach sehr speziellen Weihnachtstagen. 🙂 und nun seid ihr Skifahren… auch mal anders… im japanischen Winter Wonderland. Kommt morgen Abend gut ins neue Jahr. Was 2023 wohl alles für uns bereit hält?
Genießt weiter die Zeit in Japan.
Grüße Frauke
Ihr Lieben,
über Eure Berichte habe ich mich sehr gefreut. Herzlichen Dank, dass ihr uns an Euren Highlights teilhaben lasst.
Einen schönen Ausklang dieses spannenden Jahres und alles Liebe
Birgit
Ihr Lieben Reinhardts, wie immer super spannend geschrieben, tolle Bilder auch im WhatsApp Status, tief verschneite Skiferien. Alles Gute für Euch Alle in 2023! Ihr habt vielleicht mitbekommen, dass wir hier das wärmste Silvester /Neujahr seit der Wetteraufzeichnung haben werden … liebe Grüße, Martina