Es gibt wahrscheinlich keine andere Stadt, die so viele, so unterschiedliche und geniale Bars hat wie Shanghai. Von den diversen Tower-Bars kennen wir erst eine, die Skybar im 66. Stock des Conrads Hotels. Und dort waren wir nach 22 Uhr (was immer eine Rolle spielt, da um 22 Uhr ein erheblicher Teil der Beleuchtung an den Towern ausgeschaltet wird). In der Former French Concession haben wir einige als Second-Place angesteuert, wenn wir mit Freunden Essen waren. Die Bandbreite ist groß, sie reichen von hypermodern (alles Beton, cool, stylisch) bis zu gediegen (Mobiliar 1920, entsprechende Musik, Kellner tragen zu den weißen Hemden Fliege und Weste).
Das Größte sind die Speakeasy Bars. Füer alle die, die wie ich mit dem Begriff ersteinmal gar nichts anfangen können: Als Spekeasy wurden während der Alkoholprohibition in den USA von 1920 und 1993 illegale Bars bezeichnet, in denen insbesondere hochprozentige Getränke ausgechenkt wurden. Inzwischen ist es eher eine Geschäftsidee geworden. Ich habe gerade mal nachgeschaut, in Frankfurt soll es anscheinend mindestens 3 Speakeasy’s, in Hamburg mehr als 10 geben.
In Shanghai wird tatsächlich ein Speakeasy Walk angeboten. Dirk und ich machen uns also Samstag-Abend auf, in der Erwartung, eine Art Blind Date Party mit fremden Menschen zu feiern auf dem Weg von einer in den nächste Bar. So wird es aber nicht. Wir haben ein Kultur-Event gebucht, einen Walk. Wir laufen an dem Abend mit einer Gruppe von 15 Leuten, die wir danach etwas besser kennen 🙂 mehr als 5 km. In 11 Bars schauen wir rein, getrunken wird aber nur in 3. Es sind absolute Highlights dabei.
Wir starten relativ harmlos. „Green & Safe“ heißt eine Kette von Restaurants, die tolle Bio-Gerichte anbieten, immer im Industrie Style hergerichtet sind und eine offene Küche haben. Durch eine unscheinbare Tür erstreckt sich dahinter eine Bar. Die Tour wird fortgesetzt und wir bleiben vor einem altmodisch gestalteten Herrenausstatter stehen. Im Schaufenster sind adrette graue Anzüge zu sehen, im Hintergrund Regale mit Stoffballen. Wir treten ein und gehen durch den kleinen Verkaufsraum in einen Flur. Eine Tür ist abgeschlossen. Wir drücken auf Lichtschalter und andere Wandaccessoires. Dirk drückt an einem Hut, der an einem Garderobenhaken hängt – eine Wand schiebt sich zur Seite und gibt den Weg in eine Bar frei. Ein paar 100 Meter weiter stehen wir erst in einem Cocktail-Zubehörladen und suchen wieder nach einem Weg in die versteckte Bar, die sich hinter einem großen Regal verbirgt. Eine weitere Bar ist in einem Kaffee versteckt. Auch hier ist der Eingang unscheinbar in der Wand. Mein Favorit: „The Laundry“. Der Waschsalon, den man betritt, besticht durch Hochglanz-Waschmaschinen, Rosabeleuchtung und Blumen. Durch eine Art Schleuse betritt man die Bar, die sehr klassísch-schick mit geschmackvoller Wandvertäflung gehalten ist. In den Regalen werden die Flaschen mit Hochprozentigem der Stammkunden durch dezente Beleuchtung in Szene gesetzt. Hier steigen Dirk und ich aus und genießen noch einen Abschluss -Cocktail.












Faszinierend, diese Bar Geschichten! Danke 🍾🍸🍹